Story
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Marcel, du hast Anfang 2026 nach vier Jahren als CFO die Position des CEO übernommen. Was sind deine Pläne?
Marcel Kucher (MK): Zusammen mit René durfte ich unsere strategische Neuausrichtung in den letzten Jahren massgeblich prägen und vorantreiben. Swiss Prime Site ist mit den zwei Standbeinen eigene Immobilien und Asset Management sehr gut aufgestellt und hervorragend im Markt positioniert, das zeigt auch unser starkes Ergebnis im vergangenen Geschäftsjahr 2025. Natürlich diskutieren wir im Führungsteam laufend mögliche Verbesserungen und Optionen, unser Wachstum wertstiftend zu beschleunigen, und tauschen uns hierzu auch mit
dem Verwaltungsrat aus. Eine Revolution wird es aber nicht geben.
Stichwort Ergebnis, wie zufrieden seid ihr mit der Leistung im vergangenen Jahr?
MK: Ich bin sehr zufrieden. Unsere operative Leistung gemessen am Funds from Operations (FFO) hat unsere Prognose vom Jahresanfang von CHF 4.10 bis CHF 4.15 pro Aktie deutlich übertroffen. Temporär weggefallene Mieteinnahmen, etwa durch den Umbau des Jelmoli-Gebäudes, konnten fast vollständig kompensiert werden. Gleichzeitig haben wir unsere Effizienz weiter verbessert.
René Zahnd (RZ): Dem kann ich nur beipflichten. Das Resultat widerspiegelt die Kraft unserer Plattform. Wir finden kontinuierlich weitere Synergien und die Leistung des Asset Managements wird nun immer stärker sichtbar.
Das Asset Management hat ein weiteres Rekordjahr hinter sich, was sind die Gründe, Anastasius?
Anastasius Tschopp (AT): Wir ernten nun die Früchte unserer Marken- und Wachstumsstrategie. Die in den letzten Jahren getätigten Zukäufe haben unsere Franchise gestärkt und sind nun komplett im Ergebnis enthalten. Wir konnten rekordhohe Neugelder von CHF 1 Mrd. gewinnen und sahen eine enorme Nachfrage über unsere gesamte Produktpalette hinweg. Nicht nur im Wohnbereich, sondern auch in Produkten mit höherem Gewerbeanteil. Für uns ist das ein grossartiger Vertrauensbeweis! Gleichzeitig stiegen die Erträge um 18% auf CHF 84 Mio., auch das ein neuer Rekord für uns.
Wie stark wurde das Resultat im Asset Management vom günstigen Makroumfeld getrieben?
AT: Klar, das Tiefzinsumfeld hat uns zusätzlichen Schub gegeben. Aber die Nachfrage nach Immobilienanlagen ist auch strukturell getrieben. Zudem geniessen wir als grösster unabhängiger Anbieter eine sehr hohe Glaubwürdigkeit im Markt und unsere Produkte überzeugen mit einer starken Performance. Wir gewinnen deshalb auch Marktanteile.
Ist das Anlegerinteresse im Asset Management nur vorübergehend?
AT: Nein, davon gehe ich nicht aus. Jährlich fliessen etwa CHF 17 Mrd. in die Schweizer Pensionskassen, wovon rund CHF 4 Mrd. in heimische Immobilien investiert werden. Das dürfte auch künftig so bleiben. Immobilien erzielen langfristig und über den Zinszyklus hinweg eine stabile jährliche Rendite in Schweizer Franken. Gerade angesichts des langen Anlagehorizonts der Pensionskassen ist das äusserst attraktiv und nur schwer mit anderen Anlageklassen nachzuahmen.

«An den erstklassigen Lagen sehen wir weiterhin eine sehr gute Nachfrage und steigende Mieten. Das zeigte sich in unserem auf Prime Liegenschaften ausgerichteten Portfolio.»
Marcel Kucher
Trotz globaler Unsicherheiten, Zollstreit und einer konjunkturellen Eintrübung erscheint der Schweizer Immobilienmarkt einmal mehr als Hort der Stabilität. Täuscht der Eindruck?
MK: Unsicherheit ist nie gut und wir haben auch in der Schweiz eine Abschwächung der Konjunktur gesehen. Aber ja, der Schweizer Immobilienmarkt zeigte sich einmal mehr als sehr robust. Wichtigster Faktor ist unsere Standortattraktivität. Unsere hohe Produktivität kompensiert scheinbar hohe Lohnkosten, hinzu kommen stabile politische Rahmenbedingungen, und in Kombination zieht das qualifizierte Arbeitskräfte an. Solche strukturellen Faktoren ändern sich auch nicht so schnell. Für uns relevant: die Dienstleistungsbranche – wo wir stark exponiert sind – ist weniger betroffen von der Unsicherheit im Vergleich zum verarbeitenden Gewerbe. Und von der sehr hohen Nachfrage nach Wohnen wird ja aktuell überall berichtet.
Die wirtschaftliche Abschwächung in der Schweiz hat also keine Spuren im Bürosegment hinterlassen?
MK: An erstklassigen Lagen sehen wir weiterhin eine sehr gute Nachfrage und steigende Mieten. Das zeigte sich in unserem auf Prime Liegenschaften ausgerichteten Portfolio mit einem Like-for-like-Wachstum von 2.0% klar: Bei neuen Mietverträgen oder bei Mietverlängerungen konnten wir oftmals zu attraktiveren Mieten abschliessen. Die Mietenden haben zwar hohe Ansprüche, was den Ausbaustandard, die Lage oder die Grösse betrifft, sind sie aber erfüllt, dann ist die absolute Miethöhe nicht das alleinige Kriterium. An peripheren Lagen wird es jedoch anspruchsvoller.
Swiss Prime Site hat im vergangenen Jahr ihre Strategie der Portfolio-Optimierung weiter vorangetrieben. Einerseits wurden nochmals zahlreiche Liegenschaften verkauft, andererseits wurde frisches Kapital aufgenommen, um Objekte zu kaufen. Wie passt das zusammen?
MK: Wir wollen auch in unserem angestammten Geschäft mit den eigenen Immobilien Wachstumschancen wahrnehmen, solange sie wertsteigernd sind – das sehen auch viele unserer Aktionärinnen und Aktionäre so. Dazu gehört, dass wir die Potenziale unserer Liegenschaften optimal nutzen und entwickeln, um den Ertrag zu steigern. Dazu gehört aber auch der gezielte Verkauf von Objekten, die aufgrund ihrer Lage, Nutzungsart oder Grösse nicht mehr in unser Portfolio passen und für die andere die besseren Eigentümer sind. Ebenso prüfen wir laufend den Erwerb attraktiver und geeigneter Immobilien. Oberstes Kriterium ist stets die nachhaltige Wertschöpfung.

«Blicke ich zurück, bin ich stolz, was wir bei Swiss Prime Site in den letzten zehn Jahren erreicht haben und wie wir uns erfolgreich strategisch neu positioniert haben.»
René Zahnd
Warum die Kapitalerhöhung gerade im Februar?
MK: Mit den Zinssenkungen der SNB ab Mitte 2024 öffnete sich für uns im letzten Februar ein Opportunitätsfenster, um in einer Phase der Zinssenkungen attraktive Objekte zu attraktiven Konditionen zu erwerben, da es typischerweise einige Quartale dauert, bis sich Zinssenkungen in höheren Immobilienpreisen niederschlagen. Die Mittel waren entsprechend ausschliesslich für Ankäufe gedacht – unsere Verschuldungsquote wollen wir stabil halten. Im Jahresverlauf konnten wir nun drei sehr attraktive Liegenschaften erwerben und die Gelder wie geplant wert- und ergebnissteigernd investieren. Zudem gelang es uns, durch einen Asset-Tausch eine Gebäudearrondierung an Bestlage an der Zürcher Bahnhofstrasse im Tausch gegen zwei Objekte in Nicht-Fokus-Regionen umzusetzen.
Zufrieden mit den Zukäufen?
MK: Absolut, mit den drei Zukäufen in Genf, Lausanne und Zürich haben wir unser Portfolio an erstklassigen Liegenschaften weiter gestärkt. Sämtliche Transaktionen erfolgten mit einer Rendite deutlich über unserer Portfoliorendite und wirken wertsteigernd zum inneren Wert pro Aktie sowie ergebnissteigernd auf den Funds from Operations. Besonders freut mich, dass wir die Käufe in einem sehr kompetitiven Transaktionsmarkt exklusiv abwickeln konnten. Das unterstreicht unsere Stellung als führendes Immobilienunternehmen in der Schweiz und den Wert unserer Plattform.
Im September ist Swiss Prime Site erstmals in den europäischen Bondmarkt gegangen und hat erfolgreich eine Euro-Anleihe begeben. Was war der Grund?
MK: Wir hätten die Mittel auch im Schweizer Markt aufnehmen können. Wir besitzen auch auf der Passivseite ein grosses Know-how und haben breiten Zugang zum Schweizer Bank- und Kapitalmarkt. Wir verfolgen jedoch seit Jahren konsequent eine Strategie der Diversifikation unserer Finanzierungsquellen. Daher war der Schritt in den europäischen Kapitalmarkt naheliegend. Der Zugang zum sehr liquiden Euromarkt – wir sprechen hier in etwa über das zwanzigfache Emissionsvolumen gegenüber dem Frankenmarkt – gibt uns weitere Flexibilität. Dadurch reduzieren wir Abhängigkeiten und optimieren gleichzeitig unsere Finanzierungskosten.
Keine Angst vor dem Währungsrisiko?
MK: Wir haben das Währungsrisiko vollständig abgesichert. Zudem war der Zeitpunkt günstig, wir haben zu ähnlich günstigen Konditionen Geld aufgenommen wie im Schweizer Markt.
War das jetzt eine einmalige Sache oder wird Swiss Prime Site auch künftig an den Eurobond-Markt gehen?
MK: Wir hatten ein grossartiges Echo auf die Anleihe. Sie war achtfach überzeichnet, und zwar ohne Abstriche beim Preis. Das zeigt, dass wir auch im Euroraum ein begehrter Schuldner sind. Nicht nur wegen unserer Bonität, sondern auch wegen unserem Geschäftsmodell. Nun, da wir die Option haben, werden wir sie auch künftig nutzen. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir dadurch auch unsere Investorenbasis verbreitern konnten. Unsere Basis bleibt aber der Franken und wir werden auch in Zukunft 80% oder mehr unserer Finanzierungen im Frankenmarkt aufnehmen.

«Wir konnten rekordhohe Neugelder von CHF 1 Mrd. gewinnen und sahen eine enorme Nachfrage über unsere gesamte Produktpalette hinweg.»
Anastasius Tschopp
Was ist für diese Investoren interessant an Swiss Prime Site?
MK: Generell sehen wir, dass der Schweizer Markt attraktiv ist, auch für ausländische Investoren. In Zeiten anhaltender geopolitischer Unsicherheiten spüren wir einen Safe-Haven-Effekt. Die Schweizer Wirtschaft ist resilient und die politischen Verhältnisse stabil, das mögen Investoren.
Wenn so viel Kapital in den Immobilienmarkt fliesst, warum bleibt seit Jahren der Wohnraum knapp?
RZ: Bauen wird immer mehr reguliert und teurer. Es wird zu wenig gebaut, weil es fast nicht mehr möglich ist, ohne Einsprachen und Verzögerungen grössere Bauprojekte zu realisieren. Einsprachen werden oft aus reiner Verzögerungstaktik ergriffen. Für uns als Bauherrin ist dies mit hohen Risiken und Kosten verbunden. Die Kosten müssen schliesslich von den Mieterinnen und Mietern berappt werden. Zudem ist aufgrund der Geografie der Schweiz und der Raumplanung der Boden, auf dem gebaut werden kann, stark beschränkt. Die Verdichtung ist aber mit grossen Hürden verbunden. Auch das hemmt die Bautätigkeit.
Wie beurteilst du die Forderungen nach noch mehr Regulierung im Immobilienbereich?
RZ: Ich bezweifle, dass wir mit zusätzlichen Einschränkungen und stärkerer Regulierung das Problem lösen können. Eine flexiblere Ausgestaltung der Bauzonen wäre zum Beispiel hilfreich, damit unterschiedliche Nutzungen zugelassen sind, dann wäre auch die Umnutzung von leerstehenden Büros in Wohnungen einfacher. Hier haben wir Projekte in den Regionen Brugg, Basel und Genf erfolgreich umgesetzt. Was uns dabei besonders erfreut: Wir schaffen nicht nur Wohnraum, sondern durchmischen dazu noch unsere Quartiere. Das ist unsere Vision: nachhaltige Lebensräume.
MK: Für uns als bedeutende Bauherrin ist Planungssicherheit zentral. Heute sind die Risiken von Rekursen kaum abzuschätzen, eine Standardisierung und Verkürzung der Bewilligungsverfahren sowie eine Einschränkung der Rekursmöglichkeiten würden sicher helfen.
Abschliessend, René: Nach zehn Jahren als CEO von Swiss Prime Site bist du Ende 2025 ausgeschieden. Was waren für dich die Höhepunkte dieser Zeit?
RZ: Für mich ist es schwierig, einzelne Meilensteine hervorzuheben. Blicke ich zurück, bin ich stolz, was wir bei Swiss Prime Site in den letzten zehn Jahren erreicht haben und wie wir uns erfolgreich strategisch neu positioniert haben. Aus einem Konglomerat mit Retail und Altersheimen wurde ein fokussiertes Immobilienunternehmen. Ich bin überzeugt, dass Swiss Prime Site für die Zukunft sehr gut aufgestellt ist.
